Diese Ausgabe wurde vollständig restauriert, mit moderner Typografie, individuellem Coverdesign und korrigierter Formatierung. Karl Kraus' In dieser großen Zeit gehört zu jenen Texten, die nicht bloß gelesen, sondern als geistige Gegenwart erfahren werden: als scharfes Protokoll einer Epoche, die ihre eigene Sprache, Moral und Urteilskraft auf die Probe stellt. In den zwischen 1914 und 1925 entstandenen Aufsätzen verdichtet sich Kraus' unerbittliche Kritik an Kriegsrhetorik, Presse, Macht und öffentlicher Verrohung zu einer Prosa von seltener Präzision und polemischer Wucht. Das Werk offenbart weniger Ereignisse als Zustände: die Mechanik der Verblendung, die Verletzlichkeit der Wahrheit und die gefährliche Verführbarkeit der Sprache. Historisch steht dieser Band im Schatten des Ersten Weltkriegs und der frühen Nachkriegszeit, jener Umbruchjahre, in denen die europäische Kultur ihre Selbstgewissheit verlor. Kraus, eine zentrale Stimme der Wiener Moderne, schrieb gegen den Geist seiner Zeit an und machte die Sprache selbst zum Schauplatz moralischer Entscheidung. Gerade darin liegt die bleibende Bedeutung des Bandes: Er ist Dokument, Anklage und literarische Form in einem. Für Leserinnen und Leser, die sich für klassische Moderne, Medienkritik, politische Publizistik und die Möglichkeiten des Essays interessieren, bietet dieser Band nicht nur intellektuelle Schärfe, sondern auch ein Maß an stilistischer Disziplin, das bis heute Maßstäbe setzt. Sein Wert liegt in der schonungslosen Einsicht, dass der Zustand einer Gesellschaft an der Genauigkeit ihrer Sprache zu erkennen ist.